Nato- und US-Stützpunkte in Griechenland

Korrespondenz

Maria Tamiolaki (mit Mikrofon) auf der Veranstaltung im bUm am 8. Mai 2026

Anfang Mai 2026 informierte uns Maria Tamiolaki über dieses Thema auf Veranstaltungen in Kassel und Berlin. Sie ist Kinderärztin und Mitglied in der Ärztegewerkschaft. In letzter Zeit, nach ihrer Pensionierung, engagiert sie sich in der Anti-Nato-Aktion, Athen. Wir dokumentieren ihre Rede.

Die Stützpunkte der USA und der NATO in Griechenland und ihre Rolle auf der heutigen geopolitischen Landkarte

Historischer Überblick

Das erste offizielle Abkommen über die Präsenz von Stützpunkten der USA und der NATO in Griechenland wurde im Oktober 1953 geschlossen. In den Bestimmungen hieß es unter anderem: „…Die Streitkräfte der USA und das unter ihrer Kontrolle stehende Material dürfen frei in Griechenland und in dessen Hoheitsgewässern ein- und ausreisen, sich dort frei bewegen und überfliegen… Diese Handlungen sind von jeglichen Abgaben, Zöllen und Steuern befreit…

Dem waren natürlich vorausgegangen:

  1. die Truman-Doktrin von 1947
    Es war umfangreiche wirtschaftliche und militärische Hilfe für Griechenland und die Türkei vorgesehen, um eine kommunistische Ausbreitung aus dem Norden zu verhindern. Die US-Luftwaffe wird auf dem Flughafen von Elliniko stationiert und beteiligt sich an den Bombardements der Truppen der Demokratischen Armee(Was soll das für eine Armee sein?) in Grammos und Vitsi, wodurch sie den griechischen Bürgerkrieg zugunsten der regulären Armee, der Kollaborateure, aber auch der Nazi-Kollaborateure entscheidet und ihm damit praktisch ein Ende setzt. Bezeichnenderweise warfen die Amerikaner hier zum ersten Mal die berüchtigten Napalm-Bomben ab, die sie im Vietnamkrieg im Übermaß gegen militärische, aber auch zivile Ziele einsetzten! Und
  2. der Beitritt Griechenlands zur NATO im Jahr 1952
    Zu den ursprünglichen Standorten gehörten die Stützpunkte Elliniko und Nea Makri in Attika sowie die Stützpunkte in Souda und Gournes auf Kreta. Bemerkenswert ist, dass in den Jahren 1959–1961 auf griechischem Territorium Atomwaffen stationiert wurden (Stützpunkt Araxos mit Fallbomben vom Typ B61). Mit der Errichtung der von den USA unterstützten militärisch-faschistischen Diktatur (1967–1974) „blühte“ die ungezügelte Präsenz der Amerikaner in Griechenland auf. Die Einrichtungen verschiedener Bereiche und Missionen sind über ganz Griechenland verstreut, auf dem Festland und in den Häfen.

Metapolitefsi (die Zeit nach der Militätdiktatur, 1974 bis heute)

Trotz der vorherrschenden Forderung der Bevölkerung nach Schließung der Stützpunkte in den 70er Jahren verschwinden die Stützpunkte NICHT, und es werden neue Abkommen zwischen den griechischen Regierungen und den USA geschlossen.

Abkommen 1976–77 (ND-Regierung), verlängert die Präsenz der Stützpunkte

23. Januar 1987 (PASOK-Regierung). Aufnahme von Verhandlungen von Grund auf neu. Die PASOK setzt die Abkehr vom Dogma der „kommunistischen Gefahr“ zugunsten der „Sicherung unserer Ostgrenzen“ durch.

Schließlich wird es im April 1990 unterzeichnet (Regierung der Nea Dimokratia): Das neue Abkommen zeichnet sich durch die Bestimmung der jährlichen Verlängerung aus, während es praktisch auch den Beginn der NATO-Integration der Ägäis einleitet (NATO-Hauptquartier in Larissa), ein Status, der laut lokalen Militärquellen mittlerweile vollständig ist. Zudem dehnt sich ihr Aktionsradius über Europa und den Mittelmeerraum (Verteidigungsschild) hinaus auf den Nahen Osten und den Persischen Golf aus (hier geht es natürlich nicht um Verteidigung). Mit dem Ende des Kalten Krieges schließen die Amerikaner nacheinander drei ihrer vier Hauptstützpunkte in Griechenland (Nea Makri und Elliniko in Attika sowie Gournes in Heraklion auf Kreta), während sie den Stützpunkt in Souda stark aufstocken (der übernimmt auch die Zuständigkeiten der übrigen Stützpunkte).

Abkommen von 2001 (PASOK-Regierung)

Darin wird eine allgemeine Extraterritorialität gewährleistet. So kann jeder US-Bürger zum Mitglied einer Militärmission „getauft“ werden und entzieht sich so der griechischen Justiz für jedes Vergehen, das er auf griechischem Boden begeht. Inkrafttreten des MDCA (Mutual Defence Cooperation Agreement – Abkommen über gegenseitige Verteidigungszusammenarbeit).

In der Gegenwart, in den Jahren 2021–2022, baut die Regierung der ND unter K. Mitsotakis die Beziehungen Griechenlands zu den USA aus, ganz im Einklang mit deren eigenen geostrategischen Interessen, und unterzeichnet das 1. und 2. Änderungsprotokoll zum Abkommen über gegenseitige Verteidigungszusammenarbeit zwischen Griechenland und den USA Nun erhalten die US-Streitkräfte eine ständige Präsenz in Souda, Larissa, Volos und Alexandroupoli. Das Abkommen wurde im Parlament mit Mehrheit von ND und PASOK verabschiedet und hat im Gegensatz zu den vorherigen, die eine Laufzeit von einem Jahr hatten, zunächst eine Laufzeit von fünf Jahren, um anschließend in ein unbefristetes Abkommen umgewandelt zu werden. Es ist vorgesehen, dass jede Seite die Möglichkeit hat, das Abkommen zu kündigen.

Im Detail

  • Souda: Es handelt sich um den größten (Tiefwasser-)Marinestützpunkt der USA auf der Strecke von Norfolk (USA) bis Dubai, der für die Liegeplätze von Flugzeugträgern und Atom-U-Booten ausgelegt ist.
  • Alexandroupoli: Seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine wurde der Stützpunkt ausgebaut und verfügt nun über die Kapazität, riesige Mengen an militärischem Material auf dem Landweg zu transportieren, und zwar unabhängig von der Kontrolle über die Bosporus-Meerenge.
  • Larissa: (110. Kampfgeschwader): Zentraler Informationsknotenpunkt. Hier sind die unbemannten amerikanischen MQ-9-Flugzeuge stationiert. Drohnen überwachen in Echtzeit die Bewegungen der iranischen Flotte und ihrer Verbündeten. Hier befindet sich auch ein NATO-Hauptquartier zur Überwachung der Balkanstaaten und darüber hinaus.
  • Stefanovikio(Volos): Stützpunkt für Apache- und Black-Hawk-Hubschrauber.
  • Luftwaffenstützpunkt Araxos (116. Luftwaffengruppe): Wird als Standort für potenzielle Unterstützung im Rahmen der NATO-Nuklearstrategie genannt. Es gibt 6 Hangars vom Typ WS3 zur sicheren Lagerung von „Spezialwaffen“ im Caretaker-Status(„reduzierte Einsatzbereitschaft“).
  • Luftwaffenstützpunkt Andravida (117. Luftwaffengruppe): Es finden gemeinsame Übungen und Stationierungen im Rahmen internationaler Missionen statt.
  • Luftwaffenstützpunkt Aktio (Preveza): Beteiligung an der Überwachung durch die Stationierung von AWACS-Flugradarsystemen.

Diskutiert wird die Einrichtung neuer Stützpunkte auf Karpathos, Syros und Kastellorizo, wobei jede militärische oder auch nicht-militärische (!?) Infrastruktur des Landes dem US-Militär für dessen Bedürfnisse zur Verfügung gestellt werden kann.

Die Rolle der griechischen Stützpunkte im Krieg in der Ukraine

  • Alexandroupoli: Dient als Hauptstützpunkt. Es ist der zentrale europäische Knotenpunkt für den Transport von militärischer Ausrüstung, Treibstoff und Personal in die Ukraine. Aus der nationalen Verteidigung wurden auch griechische Waffensysteme (Panzer) entnommen und über Alexandroupoli in die Ukraine transportiert.
  • Souda: Nützlich für die Informationsbeschaffung und Überwachung.
  • Außerdem nutzen Transportflugzeuge griechische Flughäfen (z. B. Elefsina) für den Versand von Waffen in die Ukraine.

Die Rolle der Stützpunkte im Krieg und beim Völkermord, den Israel in Palästina begeht

  • Souda: Für die NATO und die Amerikaner ist dies ein Super-Stützpunkt, da hier Flugzeugträger (Ford, Nimitz) vor Anker liegen, die auch Atomsprengköpfe transportieren. Er verfügt über Fernerkundungssysteme zur Überwachung und Absicherung der Seewege, auf denen sich Israel bewegt.

Griechenland im Krieg Israels und der USA gegen den Iran (auch als Folge der Verpflichtungen aus dem MDCA)

  • Entsendung von zehn (!) Kriegsschiffen (mit 85 Seeleuten) in den Persischen Golf.
  • Entsendung von Patriot-Luftabwehrsystemen nach Saudi-Arabien.

Angesichts all dessen wird deutlich, dass die Unterordnung des Landes unter die US- und Nato-Interessen in der Geschichte des Landes nun beispiellose Ausmaße annimmt.

Griechenland wird unter der Verantwortung der Mitsotakis-Regierung zu einem Ausgangspunkt für die Kriegspläne der USA, der NATO und der EU, schmiedet Bündnisse fernab von den nationalen und volksnahen Interessen, duldet, wenn nicht sogar ermutigt, den völkermordenden Staat Israel zur Fortsetzung seiner Politik gegen das palästinensische Volk, während sie bereit ist, das Land in jeden zukünftigen Krieg der NATO, der USA, aber auch der EU zu verwickeln.

In diesem Zusammenhang liegen die Militärausgaben für 2026 bei 7–8 Milliarden, was etwa 3,1 % des BIP entspricht, wobei Griechenland den dritten Platz – die „beste“ Position in der EU – einnimmt, während sie – auf Verlangen von Trump – bis 2035 auf 5 % steigen sollen. In der EU selbst stiegen die Verteidigungsausgaben im Jahr 2025 um 11 % im Vergleich zum Vorjahr und um 62,87 % im Vergleich zu 2020, wobei dieselbe kriegslustige und ausweglose Politik, die von den USA diktiert wird, aber auch natürlich die Zustimmung der politischen Elite hat, verfolgt wird. Für 2025 wird in der EU geschätzt, dass die Rüstungsausgaben auf 2,1 % des europäischen BIP steigen werden, mit Blick natürlich auf die 5 %.

Es ist offensichtlich, dass dieser Politik jegliche Sozialpolitik sowie die allgemeinen Bedürfnisse der Bevölkerung sowohl in Griechenland als auch in Europa geopfert werden.

Risiken einer Verwicklung Griechenlands in die kriegerischen Handlungen

Die Regierung in Teheran hat erklärt: „Jeder Staat, der sein Territorium für Angriffe gegen uns zur Verfügung stellt, wird zu einem legitimen militärischen Ziel.“

Die Gefahren, denen das Land ausgesetzt ist, sind real, wobei die sogenannten hybriden Bedrohungen am wahrscheinlichsten sind (Sabotage, Cyberangriffe, Einzeltäter usw.). Es gibt den Fall Zypern, das zwar kein NATO-Mitglied ist, aber dennoch von einer Militärdrohne angegriffen wurde, die auf sein Territorium (britischer Stützpunkt) zusteuerte und vom Libanon (Hisbollah?) gestartet war.

Schließlich handelt es sich vielleicht nicht nur um ein Spiel: In Simulationsmodellen russischer Vergeltungsdrohungen sind auch griechische Ziele enthalten, wie Studenten der Universität Harvard in einer Arbeit festhielten!

Reaktionen in der griechischen Gesellschaft

Auf der Website des griechischen Parlaments (Vouliwatch), wo häufig Umfragen zur Stimmungslage in der Öffentlichkeit veröffentlicht werden, lautete die Frage:

Wie würden Sie beim 2. Änderungsprotokoll zum MDCA (SAAS) zwischen Griechenland und den USA abstimmen? Das Ergebnis lautete wie folgt:

JA 39 %
NEIN 58 %
ENTHALTUNG 3 %

Natürlich sind diese Umfragen zwar ein Indikator für die Stimmung in der Bevölkerung, aber es sind nicht die Umfragen, die diese Politik umkippen können. Die Mobilisierungen für die Schließung der Stützpunkte haben kraftvoll begonnen und gewinnen von Tag zu Tag an Breite. Es bedarf einer starken Volksbewegung mit dem zentralen Ziel der Schließung der Stützpunkte (Souda an vorderster Front) und der Umkehrung der politischen Strategien, die das Land in einen amerikanischen Vorposten verwandeln und damit den Wohlstand und die Sicherheit unserer Gesellschaft, aber auch der kommenden Generationen, gefährden.


Quellen

• https://www.ieidiseis.gr/ellada/712549/poy-vriskontai-oi-amerikanikes-vaseis-stin-ellada-chartis/

• https://www.voria.gr/article/oi-amerikanikes-baseis-stin-ellada-aspida-i-stohos-poy-brisketai-ti

• https://www.newsbeast.gr/greece/arthro/8375001/oi-xechasmenes-peripeteies-tis-elladas-me-ta-pyrinika-opla

• https://www.ellinikos-stratos.com/arthra/mdca


 

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