DGB-Demonstration am 1. Mai in Hamburg

Korrespondenz

Was auf den ersten Blick auffiel: Viele junge Menschen waren gekommen. Ganz vorne war ein relativ kleiner Gewerkschaftsblock, wenige Betriebe mit Transparenten, ein DGB-Jugend-Block, Ver.di-, NGG-, IGM-Fahnen. Dahinter dann größere Blöcke mit explizit politischen Transparenten: Linke, DIDF, migrantische Gruppen, dann kommunistische Gruppen mit vielen jungen Leuten. Auffallend ein Block mit PsychotherapeutInnen, die der Angriff durch die Gesundheitsreform auf die Straße trieb. Der Palästina-Block war eher klein. Am Kundgebungsplatz am Fischmarkt angekommen, war die Kundgebung schon im Gange, obwohl die meisten noch gar nicht da waren. Es schien so, als wolle man das schnell hinter sich bringen. Um das Lautsprecherzelt hatten sich ein paar hundert versammelt, die den Reden zuhörten. „Gegen antisemitischen Rassismus!“, „Unsere Wirtschaft ist bedroht“ waren einige der Kernsätze, die zu vernehmen waren. Der überwiegende Teil der Demonstranten kümmerte sich sowieso keinen Deut um die Kundgebung und die Reden, sondern löste sich in Grüppchen auf oder ging nach Hause.

Der DGB sprach von 10 000 Teilnehmenden, was völlig aufgeblasen war. Ich hatte gezählt und war auf 3000 gekommen. Man will wohl Kraft vortäuschen, die real nicht da ist. Einige tausend beteiligten sich noch an anderen Demos: „Wer hat, der gibt“ vom Jungfernstieg, die „revolutionäre Demo“ in Altona am Abend mit über 4000 Teilnehmenden, weshalb die Polizei sie erst nach zwei Stunden Wartezeit losgehen ließ mit der Begründung: Es seien zu viele! Dann gab es noch eine anarchistische Demo in der Schanze mit einigen hundert Leuten, so dass die Gesamtzahl an diesem Tag dann vielleicht 10 000 war.

M.P., Hamburg


 

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